Am vergangenen Donnerstag ist der Startschuss zur Anpassung von Leistungskomponenten (Bonus) und neuen Regulierungen im Bankwesen gefallen. Ich war vom Ergebnis positiv überrascht, was die Bankenregulierung betrifft. Natürlich auch mit einem schalen Beigeschmack, weil die am besten regulierte Branche nun noch mehr reguliert wird. Sehr kritisch angemerkt stelle ich einmal in den Raum, dass als Rückschluss auf diese Besonderheit gelten kann, dass sich der Banker immer mehr zum Casinobetreiber gewandelt hat. Auf dem Weg hin zu normalen und sinnvollen Leistungsvergütungen wurde meines Erachtens warme Luft gepredigt. Es fehlt offensichtlich der Mut. Ich merke wiederum kritisch an:“Es wurde eine gute Chance verpasst!“
Wenn die Regulierungen so umgesetzt werden können, wird eine bessere und gesündere Basis geschaffen auf der man wieder übermässig honorieren kann....und natürlich auch wieder nach Schlupflöchern gesucht und gefunden wird, um nicht ganz die Wahrheit zu sagen und noch mehr Profit herauszupressen, der an eine kleine privilegierte Gruppe verteilt werden kann. Mit der zu grosszügigen Geldpolitik der wichtigsten Notenbanken wird dazu der Nährboden schon einmal sehr gut angereichert.
Nun, umgesetzt ist noch nichts. Und das dürfte nicht so einfach werden. Der grösste Fehler von der Politik wurde begangen, dass das Investmentbanking Überlebenshilfe bekam und, wie nun bereits nach der Stabilisierung auf noch immer wackligen Füssen, schon wieder im alten – vom Markt eigentliche totgesagten - Fahrwasser Fahrt aufgenommen hat. Auch die strukturierten Produkte sind nicht verständlicher geworden. Vor kurzen einen ganz neuen Wurf, ein „Triple Ice Units mit Knock-in“ entdeckt. Nach was sieht das aus? LEIDER, man versucht das Rad zurückzudrehen! Und wie war das schon einmal? Rekorde sind da um gebrochen zu werden! Das Streben nach noch höheren Vergütungen und noch grösseren Unternehmenseinheiten wird weitergetrieben. Ganz speziell die grösten Banken Amerikas sind nun ganz deutlich grösser als vor der Krise und demzufolge noch stärke systemrelevant. Eigentlich genau das Gegenteil, was angedacht und sinnvoll wäre. Natürlich auch mit dem Risiko, dass sogar ein noch grösserer Crash entstehen kann....schliesslich hat man die Korrektur von 1929 nicht erreicht. Wahrscheinlich aber nur dank den überaus grosszügigen und für die ganz grosse Mehrheit nicht mehr nachvollziehbaren Staatshilfen. Die Staaten, die nun so grosszügig eingesprungen sind, stehen mit ihrem Finanzhaushalt auf sehr wackligen Füssen. Es wäre schön, wenn dazu auch Beschlüsse gefasst werden. Diejenigen welche diese Suppe den Einwohnern und Steuerzahlern dieser Staaten eingebrockt haben sollten auch ganz klar dazu verbindlich verpflichtet werden, diese auch auszulöffeln. Es ist interessant wie leise die Politiker in dieser Frage treten .... ich hoffe nur nicht, dass sie dieses Verschuldungsloch mit entsprechender Inflation stopfen wollen.
Ebenso erstaunt mich, dass an den Aktionärsrechten wenig geschieht. Dass schon fünf Jahren nach dem Platzen der Internet-Bubble bereits das nächste Fiasko geschehen ist, weist klar darauf hin, dass die damals eingeführten Corporate Governance Regeln schöne Worte auf Hochglanzpapier sind, aber - da Soft Law - auch elegant umschifft werden können. Wieso geschieht nichts? Ich hege dazu einmal die böse Vermutung, dass da einige einflussreiche Gewaltenträger hoffen, dass sie möglichst schnell ihr geschrumpftes Vermögen wieder aufbauen können. Langsam und Nachhaltig wäre besser. Doch vor allem das vorher zweitgennannte Schlagwort, gilt eigentlich nur zur Erwähnung aber nicht zum Vorleben. Zudem fehlen mir zwei ganz wichtige Punkte, um Glaubwürdigkeit in Belangen Corporate Governance und Aktionärsrechte zurückzuerlangen:
1. Es muss ein absolutes Verbot für Leistungsvergütungen (Bonuszahlungen) global und gerichtlich verankert werden, wenn Verluste eingesteckt werden müssen. Ein Minus ist ein Minus, auch wenn man weniger im Minus war als ein Referenzindex. Ein Unternehmer kann auch nicht Bank gehen und einen Kredit für Bonuszahlungen beantragen, weil ihm das Geld fehlt, weil er Verluste geschrieben hat, aber doch so gerne einen Bonus erhalten möchte, weil er sich besser als die Konkurrenz geschlagen hat.
2. Ausübungspreise in Mitarbeiteroptionspläne dürfen nicht nach unten angepasst werden. Eine Option beinhaltet das Risiko, dass der Basiswert im Ausübungszeitraum unter dem Basiswert liegen kann. Dieses Risiko geht auch ein Käufer einer Option im Optionenhandel ein. Er kann damit seinen ganzen Einsatz verlieren und es ist auch ganz klar, dass er den Strike nicht nach unten anpassen kann, damit er eben doch ein Gewinn erzielen kann.
Leider ist zu diesen beiden Punkten auch nichts zu hören. Es ist Schade! Die Vorkommnisse der letzten beiden Jahre, haben eine hervorragende Plattform gebildet, um solche groben Missstände zu beheben. Ich bedaure es sehr, dass diese Chance verpasst worden ist. Damit wurde ein grosses Stück Glaubwürdigkeitszurückgewinnung für Politiker und Manager verspielt. Unmut und Groll in breiter werdenden Gesellschaftsschichten kann dadurch in den nächsten Jahren massiv zunehmen.